A Painting a Day

A reflection of a moment of the day

29. Oktober 2025

Venedig

© Edward B. Gordon / 5.9 x 5.9 inch / Oil on MDF / 15 x 15 cm / Öl auf MDF Bord / 4570

Wir wollten ja auch noch mal nach Venedig fahren. Aber Du warst auf einmal so schnell abgereist. Ich muss noch hierbleiben für eine gewisse Zeit. Aber wenn die vorüber ist, komme ich nach. Und wir sitzen zusammen am Marktplatz auf der Terrasse vom Caffè Florian, trinken einen Aperitif und schauen den fliegenden Löwen zu.

We also wanted to go to Venice again. But then you left so suddenly. I still have to stay here for a while. But when that time is over, I’ll come and join you. And we’ll sit together in the piazza on the terrace of Café Florian, have an apéritif, and watch the flying lions.
28. Oktober 2025

In einem Garten

© Edward B. Gordon / 5.9 x 5.9 inch / Oil on MDF / 15 x 15 cm / Öl auf MDF Bord / 4569

Ich stelle mir vor, du lebst jetzt in einem wunderschönen, parkähnlichen Garten. Es ist angenehm warm, all unsere Katzen, die vor uns gegangen sind, sind bei dir, und schnurren ganz selig. Und natürlich ist auch Tony, unser prächtiger Hahn, da. Sein Gefieder glänzt dunkelblau im Sonnenlicht. Mit seinem Kopf etwas schräg gehalten, schaut er nach dir und kräht ganz leise. Die Vögel zwitschern, und es gibt keine Mücken, bzw. die, die es gibt, sind ganz friedlich und stechen nicht.

I imagine you’re now living in a beautiful, park-like garden. It’s pleasantly warm, all our cats who have passed away before us are with you, purring contentedly. And of course, Tony, our magnificent rooster, is there too. His feathers gleam dark blue in the sunlight. With his head tilted slightly, he looks at you and crows very softly. The birds are singing , and there are no mosquitoes, or rather, the ones that are there are completely peaceful and don’t bite.
27. Oktober 2025

Sternennacht

© Edward B. Gordon / 5.9 x 5.9 inch / Oil on MDF / 15 x 15 cm / Öl auf MDF Bord / 4568

Das Feld hinter unserem Grundstück. Man kann fast bis nach Wüsting schauen. Wenn Besuch kommt, sieht man den schon einen Tag vorher. Das Feld wird nicht genutzt. Im Frühjahr hattest Du hier eine große Packung mit Sonnenhut-Samen verstreut. Ich frage mich, ob der Bauer sich jemals gewundert hat über die schönen Blumen auf seinem Feld. Ich schaue in den Sternenhimmel und suche nach dem Stern, der am hellsten leuchtet, weil ich weiß, dass Du das dann bist.

The field behind our land. You can almost see all the way to Wüsting from here. When visitors are coming, you can see them a day in advance. The field isn’t being used. In the spring, you scattered a large packet of coneflower seeds here. I wonder if the farmer ever wondered about the beautiful flowers in his field. I look up at the starry sky and search for the brightest star because I know that’s you.
26. Oktober 2025

Die große Ungewissheit

© Edward B. Gordon / 5.9 x 5.9 inch / Oil on MDF / 15 x 15 cm / Öl auf MDF Bord / 4567

Danke für all die wunderbaren E-Mails und Nachrichten. Ich habe sie alle Ingrid vorgelesen. Danke!

Thank you for all the wonderful emails and messages. I read them all to Ingrid. Thank you!

 

22. Oktober 2025

Abschied

© Edward B. Gordon / 5.9 x 5.9 inch / Oil on MDF / 15 x 15 cm / Öl auf MDF Bord / 4566

Nach langer Abwesenheit melde ich mich heute zurück.

Leider mit sehr traurigen Nachrichten.

Heute vor 6 Wochen, am 10. September, ist meine geliebte Frau, Ingrid Steidl, mein Lebensmensch der letzten 33 Jahre, bei einem Unglück verstorben. Zwei Stunden nachdem ich sie auf ihrem Fahrrad vom Hof fahren sah, suchten mich zwei Polizeibeamte in meinem Atelier in Oldenburg auf, um mir mitzuteilen, dass Ingrid tot im See aufgefunden worden war. Der See, 12 Minuten von unserem Haus entfernt, in dem sie fast jeden Tag im Sommer bis in den späten Herbst hinein vormittags geschwommen ist.

An diesem Tag brach eine Welt für mich zusammen, die bis heute kaum eine erkennbare Zukunft hat.

Die Hilfe meiner Freunde, nah und fern, brachte mich durch die Tage und Nächte, die wie ein nie endender bleierner Albtraum waren und sind.

Ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder zu malen, und schon gar nicht das Tagebildprojekt weiterzuführen. Weil gerade das, als wir es Ende 2006 gemeinsam in Berlin, in meinem Atelier in der Torstraße, aus der Taufe hoben, ganz speziell ihr Vermächtnis ist. Ingrid war die treibende Kraft hinter allem: der Organisation, dem Kontakt zu Ihnen, der Abwicklung, einfach alles. Sie manövrierte das Schiff in all den Jahren, mit Souveränität und Gelassenheit an allen aufkommenden Schwierigkeiten vorbei, sodass ich in Ruhe malen konnte.

Jetzt hat das Schiff keinen Kapitän mehr.

Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, ob es noch zu früh ist, aber ich habe heute beschlossen, doch wieder anzufangen mit den Tagesbildern, gerade auch, um das weiterzuführen, was Ingrid in all den Jahren aufgebaut hat. Ich weiß auch nicht, ob es mir gelingen wird, aber ich versuche es. Ab nächster Woche geht es weiter, irgendwie. Und sehen Sie es mir bitte nach, wenn die Abwicklung jetzt erst mal ein wenig holprig sein wird.

In diesem Sinne, sehr traurig

Ihr Edward B. Gordon

 

After a long absence, I’m back today.

Unfortunately, with sorrowful news.

Six weeks ago today, on September 10th, my beloved wife, Ingrid Steidl, the love of my life for the past 33 years, passed away in an accident. Two hours after I saw her riding her bicycle out of the yard, two police officers visited me at my studio in Oldenburg to inform me that Ingrid had been found dead in the lake. The lake, 12 minutes from our house, where she swam almost every morning from summer until late autumn.

That day, a world collapsed for me that still has little discernible future.

The help of my friends, near and far, got me through the days and nights that were and still are like a never-ending, leaden nightmare.

I couldn’t imagine ever painting again, let alone continuing the daily painting project. Because that, when we launched it together at the end of 2006 in Berlin, in my studio on Torstrasse, is her legacy in an exceptional way. Ingrid was the driving force behind everything: the organization, the contact with you, the execution, simply everything. Over the years, she manoeuvred the ship with poise and composure, past all the difficulties that arose so that I could paint in peace.

Now the ship no longer a captain.

I don’t know if it’s a good idea, or if it’s too early, but today I decided to start the daily paintings again, especially to continue with Ingrid’s legacy. I’m not sure if I’ll succeed, but I’ll try. Things will continue next week, somehow. And please forgive me if the execution is a little bumpy at first.

With that in mind, very sad

Yours, Edward B. Gordon